Das große High

Shownotes

Drogenpolitik ist Klassenpolitik. Denn von der Produktion bis zur Konsument*in sind insbesondere die unteren Klassen betroffen. Besonders in den USA wird dies deutlich, wenn der sogenannte War on Drugs Schwarze Communitys doppelt trifft – in Form von Kriminalisierung bei gleichzeitiger Drogenschwemme. Deshalb haben wir Faheem Hemboum gefragt, welche Strategien Linke historisch wie aktuell haben, um die Drogenökonomie weder zu verherrlichen noch zu tabuisieren.

Faheems Artikel in der aktuellen Ausgabe findet ihr hier

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00:00:00: In diesem Kontext haben die Young Lords das Krankenhaus zweimal besetzt.

00:00:03: Das erste Mal ging es eben spezifisch darum, dass die Gesundheitsversorgung nicht angemessen ist und beim zweiten mal ging es vor allem darum in den Vordergrund zurück, dass in einem Stadtteil der extrem unter Drogen leidet es keine Versorgungen gibt für die Betroffenen, keine Prävention, keine Reha-Programme.

00:00:26: Und sie haben das dann besetzt und gemeinsam mit den Leuten, die da auch gearbeitet haben.

00:00:30: Und anderen Teilen der Community ein Programm entwickelt für die Behandlung von Drogensucht.

00:00:53: Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Folge des AK-Podcasts!

00:00:57: Hier ist wieder Gina – ich freue mich, dass ihr zuhört.

00:01:00: Heute wollen wir über Drogenpolitik sprechen und haben dafür Fahim Hemboum eingeladen.

00:01:05: Bevor wir uns dem heutigen Inhalt widmen, aber wie so oft nochmal die Erinnerung, falls ihr noch keinen Abo habt schaut doch unter www.arkaweb.de-Abo vorbei.

00:01:15: Wir finanzieren uns nämlich nur durch eure Abos und bieten eine Vielzahl von Abomodellen an.

00:01:19: Das ist also für alle was dabei So jetzt da das geschafft wäre.

00:01:23: fahim Schönen dass du da bist magst Du dich einmal kurz selbst vorstellen.

00:01:28: Vielen Dank für die Einladung.

00:01:30: Also mein Name ist Fahim.

00:01:32: Ich studiere, ich bin jetzt seit ungefähr zehn Jahren in der Uni.

00:01:35: Ich habe Sozialwissenschaften gemacht, Afrika-Wissenschaften und viele Berührungspunkte mit anderen Fächern Und seit Jahren arbeite ich frei beruflich als Journalist, Redakteur, Übersetzer und in der politischen Bildungsarbeit Genau und ich beschäftige mich vor allem eben mit der Geschichte von Schwarzen Bewegungen Deutschland, aber auch auf dem Kontinent selbst.

00:02:02: Das ist mein Fokus und mein Schwerpunkt.

00:02:06: Danke dir!

00:02:07: Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt auf die heutige Folge und würde sagen wir starten auch direkt mal rein.

00:02:13: Warum ist denn Drogenpolitik ein linkes Thema?

00:02:18: Ich würde sagen ganz allgemein wenn wir uns auf Marx beziehen es darum geht alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein geknechtetes Wesen ist.

00:02:30: Dann gehört das auf jeden Fall dazu und es ist ein ziemlich zentraler Punkt gerade weil der Kapitalismus immer wieder wie wir auch gerade erleben, zyklisch Krisen- und Kriege produziert, Lebensbedingungen verschlechtert, extremes Leid hervorbringt was dann auf der anderen Seite eben bedeutet Menschen suchen irgendwie nach wegen dieses Leid zu verringern.

00:02:55: Das heißt entweder weniger von dem psychischen und physischen Schmerz zu spüren, den man in seinem Leben erlebt oder einfach überhaupt auf jedem Weg der möglich ist das Leben irgendwie ja zu ermöglichen sich irgendwelche Wege zu suchen um seine Miete zu bezahlen um Lebensmittel zu bezahlen.

00:03:20: genau ich glaube deswegen es ist alleine einfach ein linkes thema weil's mit Ausbeutung verbunden ist, mit Unterdrückung verbundet ist.

00:03:26: Mit Umweltzerstörungen etc.

00:03:30: In deinem Artikel beschreibst du ja dementsprechend auch Drogen nicht als Gesundheitsfrage sondern als Teil kapitalistischer und rassistischer Herrschaft.

00:03:39: Dabei werden marginalisierte insbesondere schwarze Communities doppelt getroffen.

00:03:43: Kannst Du einmal erklären was Du genau damit meinst?

00:03:47: Genau das bezieht sich zum einen sozusagen auf die Produktionsbedingungen.

00:03:52: wenn man sich die Produktion von Drogen als globalen Markt mit Arbeitsteilung, mit Handel-, mit Distribution anschaut.

00:04:02: Dann ist es wie quasi in der normalen legalen Wirtschaft sehr ähnlich.

00:04:09: Es gibt die Zentren, in denen das Kapital operiert.

00:04:13: dann gibt es die Orte, in den unter extrem schlechten Bedingungen produziert wird natürlich eben auch weil Nicht regulierter Arbeitsmarkt ist mit sehr hohem Risiko für die Leute, die darin beschäftigt sind.

00:04:30: Das heißt, die Bauern, die entweder Kokain oder Heroin letzten Endes produzieren machen das unter einer ziemlich großen Gefahr für ihr eigenes Leben und sind natürlich auch nicht wie normal möglich wäre gewerkschaftlich organisiert, Arbeitsrecht, Arbeitsschutz etc... Dadurch dass es eben in vielen der Länder, in denen das stattfindet im globalen Süden selbst noch mal die besonders unterdrückten Teile dieser Gesellschaft sind bedeutet auch da.

00:05:03: Es sind sehr oft schwarze Menschen zum Beispiel in lateinamerikanischen Gesellschaften, die diese Arbeit machen.

00:05:09: aber auch in Ländern, in Europa und in den Vereinigten Staaten sind schwarzen Menschen quasi von der untersten Stufe des Systems an eben besonders betroffen, dadurch dass sie die Art von Arbeit machen, die einem hohen Risiko ausgesetzt ist was Konfrontation mit der Polizei betrifft.

00:05:32: Dann auf der anderen Seite eben weil Gesetze schon davon abzielen besonders schwarze Menschen ins Visier zu nehmen und das heißt es gibt Einfach unterschiedliche Gesetze für unterschiedliche Drogen, für unterschiedlichen Viertel.

00:05:50: Genau je nachdem was man sich dann anguckt kann man halt sehen dass in einer Gesellschaft die schon anhand von weißer Vorherrschaft strukturiert ist schwarze Menschen dann eben doppelt getroffen werden.

00:06:04: Du erwähnt es in deinem Artikel denn hier gleichzeitig auch das Drogen aus dem schwarzen Musikbusiness aber auch nicht mehr wegzudenken sind.

00:06:12: Wie erkläst du dir diesen Widerspruch?

00:06:14: Ich glaube, das hat zum einen damit zu tun.

00:06:21: Auch wenn man das vielleicht nicht idealisieren sollte diese Vorstellung die es ja eigentlich gibt von Rap von Hip Hop als Black CNN also einfach sozusagen die Verhältnisse zu beschreiben ohne Filter die normalerweise in den Medien nicht aufgegriffen werden oder die eben in einem negativen Licht zu sehen sind vor allem was ja schon von Anfang an ein Element war von sehr viel Schwarzer Kultur, nicht nur Raps sondern auch Blues, Funk, Soul die Lebensrealität eben zu beschreiben.

00:06:55: Dann gibt es natürlich diesen anderen Effekt der Ehr durch Gangsterrap und die Kommerzialisierung in den Neunziger besonders zweitausender Jahren gekommen ist das eben dieser Lebensstil auf einmal nicht mehr.

00:07:09: was ist was ich einfach beschreibe als jemanden lebt und beobachtet.

00:07:14: Und vielleicht auch versucht, nicht nur da als einzelne Person die betroffen ist irgendwie rauszukommen sondern auch mich zu organisieren politische Positionen zu verbreiten, mich zu organisieren wie es ja ganz stark der Fall war eben mit Gruppen wie Public Enemy am Anfang Brand Nubian, Poor Righteous Teachers, Caress One Dead Press.

00:07:40: Sondern auf einmal geht es darum, dass es Geld alle möglichen Konsumgüter, die auf einmal in Reichweite sind was normalerweise mit einem Job unterhalb des Mindestlohns nicht vorstellbar ist.

00:07:56: Ja, voll spannend!

00:07:59: Eine Kernthese, die ich aus deinem Artikel raus gelesen habe, ist ja auch das Drogenhandel in dem Ausmaß, in dem er in den USA stattfand und auch stattfindet ohne Verbindung zu Politik, Finanzwelt und Sicherheitsapparatten kaum denkbar wäre.

00:08:15: Wenn man jetzt über die Verzahnung von Staat- und Drogenmarkt spricht dann kann man ja auch sehr schnell bei so Verschwörungserzählungen landen und gleichzeitig gibt es einige reale Fälle wie zum Beispiel die Iran-Kontraaffäre.

00:08:28: Wie eng sind in Staaten und Drogendokonomie eigentlich miteinander verbunden?

00:08:33: Das ist auf jeden Fall ein sehr spannendes Thema bei dem es viele Verbindungen gibt.

00:08:40: In Pipe Dream Blues von Clarence Lausanne zum Beispiel geht es darum, dass der Krieg gegen die Drogen und der extreme Antikommunismus in den feinigten Staaten sehr eng miteinander verzahnt sind.

00:08:56: Und eigentlich in der Geschichte immer Hand in Hand gehen sei es international im Bezug auf Außenpolitik oder eben auch in den USA selbst die schwarzen Organisation oder allgemein linksradikale kommunistische Organisationen, was dann sozusagen dazu geführt hat dass es nach dem Zweiten Weltkrieg besonders in verschiedenen Teilen der Welt Allianzen gab zwischen der CIA oder schon ihrer Vorgängerorganisation und rechten Organisationen Paramilitärs, Milizen die antikommunistisch waren, kommunistische Bewegungen bekämpft haben.

00:09:44: Nationalistisch orientiert waren oder einfach nur im Fall zum Beispiel der italienischen Mafia entstanden sind um kapitalistische Profite zu verteidigen.

00:09:56: und die CIA hat zum Beispiel verschiedene von diesen Bewegung entweder finanziell unterstützt oder mit Waffen unterstützt eben auch gezielt mit der Verbindung und dem Benefit sozusagen, kommunistische Bewegung zu bekämpfen.

00:10:12: Und im Gegenzug dafür dann ein Auge zuzudrücken was deren Verbreitung im Drogenhandel angeht.

00:10:22: Und natürlich gerade in Situationen wo die Weltwirtschaft eh wieder schwächer wird, wo es mehr Krisen gibt bedeutet das da natürlich dass diese Bewegungen dadurch stärker werden und linke Bewegungen unter sehr großen Druck geraten, weil sie nicht mit den gleichen finanziellen Mitteln operieren können.

00:10:43: Genau zum War on Drugs hatte ich mir auch noch eine Frage aufgeschrieben, weil du darüber ja auch schreibst dass eben dieser war and drugs und auch die Drogenschwämme selbst im Grunde zu einem Krieg gegen schwarze Communities geworden sind.

00:10:57: wie sieht das konkret aus?

00:10:59: Also genau zum einen gibt es zum Beispiel Historisch schon von Anfang-Ninzehnhundert, also lange bevor wir von den modernen Krisen sprechen oder von der... Von den Wellen von Kokain und Crack und Heroin oder jetzt der Operit-Krise.

00:11:19: Das in Zeitungsartikeln und in Radioberichten zum Beispiel schwarze oder mexikanische Marihuana-Konsumentinnen als besonders gefährlich, brutal dargestellt wurden.

00:11:34: Dass eben von ihnen ein Risiko ausgeht für die weiße Gesellschaft, dass sie mehr Gewalt ausüben, dass es dadurch eine übermenschliche Kraft oder Stärke gibt, die sie halt eben sehr gefährlich und schwer zu kontrollieren macht.

00:11:54: Und das wiederholt sich sozusagen mit eben Marihuana, mit Kokain.

00:12:01: Das Gruppen die sowieso schon im Vorhinein gesellschaftlich nicht erwünscht sind also wir reden ja in der Zeit auch über Segregation das quasi schon bevor die Sklaverei offiziell abgeschafft wurde dann Jim Crow immer wieder die gleichen oder sehr ähnliche Erzählungen verbreitet werden geht damit einher.

00:12:28: auch das Allgemein, wenn Menschen sowieso schon in erhöhtem Maß von Polizeigewalt betroffen sind oder viele Dinge kriminalisiert werden die bei anderen Menschen nicht kriminalisiert werden.

00:12:40: Selbst wenn es minimale Vergehen sind sei es jemand der ohne papiere Auto fährt oder ein abgelaufenes Kennzeichen hat oder bei rot über die Ampel geht.

00:12:55: erhöhte Polizeipräsenz in schwarzen Communities führt in diesem Kontext dazu, dass alle sehr viel mehr kontrolliert werden.

00:13:03: Sehr viel öfter festgenommen werden, mehr Geldstrafen zu zahlen haben, schneller ins Gefängnis kommen.

00:13:09: und dann gibt es noch spezielle Gesetze die zum Beispiel den Besitz von geringen Mengen Crack sehr viel härter bestraft haben als den Besatz von gerengen Mengen Kokain.

00:13:22: In einem Kontext in dem zum Beispiel bei schwarzen menschen mehr verbreitet war und kuka ihn eben bei weißen Menschen mehr verbereitet, die dann aber nur bewährungsstrafen bekommen haben werden schwarze menschen direkt für mehrere Jahre ins gefängnis müssten.

00:13:40: wenn dir der podcast gefällt gefällt ihr bestimmt auch unsere zeitung.

00:13:44: beides finanzieren wir über die zeitungsabos.

00:13:47: falls du uns mit einem abo unterstützen möchtest findest du alle information auf www.akaweb.de.

00:13:57: In deinem Artikel giste ja auch viel auf die Black Panthers ein, wie du schreibst sehr strikte Regeln im Umwand mit Drogen hatten.

00:14:06: Magst du einem erklären, wie diese Regeln aussahen und auch, wie sich die Ansätze von den Black Pancers von liberaler Drogenpolitik unterschieden haben?

00:14:15: Genau!

00:14:16: Die Panthers haben sozusagen den Konsum von Drogen verboten, wobei Drogen in dem Fall tatsächlich nicht Cannabis einschließen, sondern eben Heroin, Kukain.

00:14:32: und gesagt unter dem Einfluss von Drogen kann jemand nicht unsere Politik vertreten oder uns nicht repräsentieren in der Community auf der Straße.

00:14:43: Auf einer politischen Ebene ähnlich bei den Young Lords zum Beispiel die wenn sie jemanden gefunden haben auf der Strasse der Drogen verkauft hat haben Sie ihm die Drogen abgenommen vor seinen Augen und vor den Augen von allen in den Abfluss gekippt.

00:14:59: Beim nächsten Mal haben sie die Person mit auf ein Hochhaus genommen, an den Beinen Kopf über runterhängen lassen bis halt alles aus seinen Taschen fällt und gesagt okay beim nächsten mal lassen wir dich auch fallen.

00:15:15: also es gab schon sehr drastische Ansätze sozusagen Aus einem Verständnis heraus dass Drogen eine Form von chemischem Krieg, Genozid gegen die eigene Bevölkerung darstellen.

00:15:30: Wobei man natürlich unterscheidet eben zwischen den Menschen, die Drogen konsumieren mit denen man arbeiten will, denen man helfen will und den Menschen die Drogen verkaufen davon profitieren und sich bereichern letzten Endes.

00:15:45: Und das ist natürlich auch bedeutet auf der Ebene von politischer Organisationen Menschen Alternativen zu bieten dafür zu sorgen, dass sie Jobs finden.

00:15:55: Dafür zu sorgen das die sichere Wohnungen haben und so weiter.

00:15:59: Und was man auf dieser Ebene von politischer Organisation durchsetzen konnte zu dieser Zeit?

00:16:08: Ein wichtiger Ort den du in deinem Artikel erwähnt hast war das Lincoln Hospital in the Bronx in New York.

00:16:17: die eben erwähnten Young Lords und Mutulu Shakur in den Neunzelnehren-Siebzigerjahren das Krankenhaus besetzten.

00:16:24: Kannst du darüber noch mal ein bisschen erzählen, was so besonders an dieser Besetzung war?

00:16:29: Der Kontext war sozusagen dass das Krankenhaus wie ein Krankenhaus im Bürgerkrieg war also Menschen sind mit extremen Verletzungen reingekommen.

00:16:42: Es war auch als Schlachthaus bekannt d. h., die Zustände im Krankenhaus selber waren nicht gerecht für die Behandlung von Menschen und es hat eben dazu geführt, dass viele Menschen gestorben sind.

00:16:55: Dass ihnen nicht angemessen geholfen werden konnte.

00:16:58: Und das wurde sozusagen von staatlicher Seite einfach vernachlässigt.

00:17:02: In diesem Kontext haben die Young Lords des Krankenhaus zweimal besetzt.

00:17:06: Das erste Mal ging es eben spezifisch darum, dass die Gesundheitsversorgung nicht angemäßen ist und beim zweiten mal ging es vor allem darum in den Vordergrund zurück, dass in einem Stadtteil der extrem unter Drogen leidet.

00:17:26: Es keine Versorgung gibt für die Betroffenen, keine Prävention, keine Rehabprogramme.

00:17:32: und sie haben das dann besetzt und gemeinsam mit den Leuten, die da auch gearbeitet haben und anderen Teilen der Community ein Programm entwickelt für die Behandlung von Drogensucht.

00:17:45: Das Besondere war eben, dass in diesem Programm die meisten freiwillig gearbeitet haben.

00:17:50: Ehrenamtlich selber ehemals abhängige Waren, die quasi genau diese Lebensbedingungen kannten, die den gleichen Leidensweg hatten, die Angehöriger hatten, vielleicht an ein Überdosis gestorben sind oder einen Gefängnis gesessen haben.

00:18:09: und durch mehr-oder weniger Zufall hat mutulischer Kur durch Yoriko Chiyama, die auch sehr eng mit Malcolm X befreundet war.

00:18:21: Bei einem Besuch in Chinatown als seine zwei Kinder einen Unfall hatten entdeckt wie Akupunktur bei bestimmten Beschwerden helfen konnte.

00:18:32: und dann gab es die Idee ob man nicht Leute ausbilden kann in Akupuntur um eben bestimmte Symptome des Entzugs oder allgemein bestimmte Probleme, die die Leute einfach hatten wie Stress, Schmerzen, Angstzustände damit ein bisschen lindern kann.

00:18:52: Dann sind verschiedene Menschen aus diesem Krankenhaus nach Kanada gegangen, wo es zu dieser Zeit quasi jemanden gab der Akupunkte unterrichtet hat und haben das studiert einige von denen mit vorheriger klassischer medizinische Ausbildung, die auch als Ärztin in den Krankenhaus gearbeitet haben und andere wie motorischer Kur, die einfach Aktivisten waren.

00:19:14: Und haben dann dieses Programm aufgestellt bei dem Leute dann gekommen sind.

00:19:20: verschiedene Punkte hatten zum Beispiel die Ohren an denen sie eine Akkupunkturtherapie bekommen haben was ihnen dabei geholfen hat zusammen mit allgemeinen politischer Aufklärung und Aktivismus sich erst mal selbst ihre Situation zu erklären und dann auch weiter aktiv zu werden.

00:19:39: Und viele sind über dieses Programm auch selbst zur Akkupunktur praktizierenden geworden, die größte nationale Akkupunkturorganisationen, die es in den Vereinigten Staaten gibt geht auch auf dieses Programm zurück.

00:19:53: Okay das ist ja mega spannend!

00:19:54: Das wusste ich noch gar nicht.

00:19:56: Gibt es denn heute in den USA oder auch allgemein noch linke Debatten über so kollektive Antworten auf Sucht?

00:20:04: Ich glaube, was vor allem eine große Rolle spielt momentan ist das viele diese Geschichten wieder entdecken.

00:20:12: Weil sehr viel davon verloren gegangen ist.

00:20:14: also nach den Sechzigern in den Siebzigern waren schon sehr viele im Gefängnis.

00:20:20: Viele sind in den Untergrund gegangen.

00:20:22: Das Krankenhaus zum Beispiel war ständig angriffen durch die Stadt ausgesetzt und natürlich gesagt Das können wir nicht mehr dulden, dass Terroristen hier ihre Basis aufbauen.

00:20:36: Zu dem Zeitpunkt hatten die Leute schon angefangen sich zu organisieren wie eine Art von Partei der sich selbst heilenden Abhängigen sozusagen aufzubauen, die auf die Straße gegangen sind und natürlich die staatliche Politik angeklagt haben.

00:20:52: andere, die in der Black Liberation Army waren, mussten in den Untergrund gehen.

00:20:56: Wurden verfolgt, wurden mit extrem vielen fabrizierten Klagen überschüttet.

00:21:02: Dann gab es natürlich auch sehr viel Gewalt und Konfrontationen mit der Polizei.

00:21:09: Viel von der Geschichte ist einfach in Vergessenheit geraten.

00:21:13: Und das sind Menschen, die jetzt teilweise in ihren Sechzigern, Siebzigern oder Achtzigern im Gefängnis teilweise unter den schlimmsten Bedingungen ohne Gesundheitsversorgung, die mehr oder weniger erst entlassen werden wenn klar ist dass sie eh im Laufe von kurzer Zeit sterben werden.

00:21:34: und viel von dieser Geschichte konnte bisher nicht wirklich vermittelt werden.

00:21:40: Und in den aktuellen Kämpfen der letzten Jahre also eigentlich seit dem Aufkommen von Black Lives Matter als Trend, als Bewegung in den sozialen Medien, auf den Straßen gibt es eher viel was so wirkt als würden Leute bestimmte Konzepte neu entdecken obwohl sie eigentlich schon eine lange Geschichte haben und eben einfach nur nicht weitergegeben werden konnten weil Menschen in Gefängnissen sitzen jahrzehntelang isoliert waren teilweise.

00:22:11: Und ich glaube es geht darum eher wieder an dieses Wissen anzuknüpfen Was funktioniert für unsere Zeit?

00:22:19: Also viele Ansätze eben von den Panthers, aber auch von den Young Lords waren ja so erfolgreich.

00:22:27: Weil sie eben Menschen sozusagen ihre Würde wiedergegeben haben was sehr oft nicht passiert im Kontext von zum Beispiel sozialer Arbeit Im Kontext einer städtischen Politik die eher auf Verdrängung orientiert ist oder zu überlegen vielleicht ja ein sicherer Konsumraum, aber möglichst weit weg vom Stadtzentrum oder nicht so gut zu erreichen und nur unter Vorlage von Ausweis.

00:22:57: Und alles wird aufgeschrieben und dokumentiert, dass sich die Leute eben schon gar nicht wirklich da rein

00:23:02: trauen.".

00:23:03: Und würdest du sagen das in diesem Wiederentdecken was du gerade beschrieben hast ist auch um dann zum Beispiel Drogenpolitik und Antworten auf Sucht?

00:23:13: geht, also dass das auch Sachen sind die wieder entdeckt werden oder sind es eher auch andere Inhalte?

00:23:18: Die da gerade viel besprochen werden.

00:23:22: Also ich glaube schon wie man in den letzten Jahren sehen kann, dass bestimmte Fragen wie Dekriminalisierung extrem wichtig sind.

00:23:31: was immer mehr Leute fordern und das ist aber eigentlich ein konstanter Kampf ist gegenüber von Leuten die eher mehr Sicherheitspolitik fordern.

00:23:45: Das ist historisch immer so gewesen, auch innerhalb der schwarzen Communities gab es Menschen, die für ihr eigenes Sicherheitsbedürfnis sozusagen einen Pakt mit der Polizei geschlossen haben.

00:23:59: Wahrscheinlich ist das beste Beispiel dafür sozusagen die Popularität von Kamala Harris und gleichzeitig ihre Geschichte als Staatsanwältin.

00:24:10: In Berlin, in Deutschland und vielen anderen Städten sehen wir das auf lokaler Ebene.

00:24:17: Für mich wäre jetzt ein Beispiel der Leopoldplatz, wo dann jede zweite Woche gefühlt es eine Reportage gibt über Initiativen von Leuten die auch da wohnen, die natürlich ein Problem haben mit der Situation was aber nicht dazu führt dass sie sich irgendwie anti-autoritär organisieren sondern dass es darum geht Die Haustür müssen besser gesichert werden, damit niemand nachts hier reinkommt.

00:24:44: Wir brauchen mehr Kameras, wir brauchen permanente Beleuchtung und mehr Police and Securities.

00:24:51: Und am Ende kommen wir immer wieder bei Mehrverdringungen an.

00:24:57: Andersrum wird ja auch in einigen Linken Milieus-Drogenkonsum ziemlich romantisiert unter dem Schlagwort der Hedonismus.

00:25:08: Partie für Politik umgemünzt oder zumindest versucht, umzumünzen.

00:25:13: Dann gibt es wieder andere die den Drogen- und Konsumsträgt ablehnen gab ja auch zum Beispiel eine Kampagne vom Jugendwiderstand mit Zerstörer nicht dich zerstöre den Feind usw.

00:25:23: Also eine Vielzahl an der Rangensweisen.

00:25:28: Was würdest du denn sagen?

00:25:29: wie könnten linke Konzepte aussehen?

00:25:32: Die gegen die Kriminalisierung von Konsum und aber auch gegen die Verehlendung durch Drogen vorgehen.

00:25:39: Ich denke, da müsste man eben auch quasi ansetzen wieder eine neue Art von gemeinschaftlicher Politik von unten zu entdecken sozusagen.

00:25:53: also ich kenne beide Seiten aus meiner eigenen Vergangenheit und Berührungspunkte mit verschiedenen linken Gruppen sehr gut geht nicht unbedingt darum, als Menschen die sich politisch organisieren so strikte Regelkataloge aufzustellen an denen sich alle Menschen orientieren müssen.

00:26:17: Aber ich glaube auf der anderen Seite auch nicht unbedingt dass das Beste ist immer zu sagen wir sind alle erwachsen und wir wissen schon am besten was wir machen und wie wir das machen.

00:26:29: Ich glaube man muss eine richtige Art von Kommunikation darüber finden.

00:26:34: Es ist eine Tatsache, dass bestimmte Organisationen in der Art wie sie mit solchen Fragen umgehen sich sehr viel... sich ein bisschen selbst im Weg stehen.

00:26:45: Ich glaube einen Gedanke von früher so ein bisschen.

00:26:48: als Person die wirklich sehr in politische Arbeit involviert ist habe ich nicht unbedingt Zeit mich mit sowas zu beschäftigen und ich glaube besonders in Berlin vielleicht Menschen aus anderen Städten nochmal kommentieren, aber besonders in Berlin ist Politik auch immer eine sehr spezifisch mit Lifestyle verbundene Sache und oft fallen Entscheidungen zwischen noch zwei drei Stunden auf einer Party oder ich gehe morgen um fünf Uhr zu einem Streikposten und unterstützt die Leute von der Charité doch zugunsten der Party aus.

00:27:32: Und ich glaube, das ist letzten Endes die Frage was für Politik wollen wir machen und wie können wir sie umsetzen?

00:27:39: Wenn wir diese Diskussion führen, dann kommen wir schon dahin.

00:27:44: Das bestimmte Entscheidungen kann ich eigentlich nicht so treffen wenn ich ernst meine mit meiner Politik.

00:27:52: natürlich muss man auch immer beachten dass es Menschen gibt die unterschiedliche Kapazitäten haben.

00:28:00: also Ich habe nicht die gleiche Zeit, die ich vor zehn Jahren hatte.

00:28:04: Ich hab' nicht die gleichen Energie und natürlich muss sich was finden, was irgendwie meinen Kapazitäten entspricht.

00:28:12: aber innerhalb dieser Kapazität gibt es eben Sachen, die sinnvoller für mich sind und sinnvollen für die Bewegung sind und politisch mehr bewirken können.

00:28:23: Und ich glaube das ist eine Diskussion.

00:28:26: Die führen verschiedene Teile linker Organisation in den letzten zehn, fünfzehn Jahren immer wieder mit unterschiedlichen Schlussfolgerungen.

00:28:36: Ich glaube, wir kommen immer weiter in die Richtung dass es eben darum geht wie können wir eine zeitgemäße Art von Klassenpolitik machen alleine das so viel innerhalb der Linkspartei auch darüber geredet wird während wenn man vor zehn fünfzehn Jahren die gleichen Sachen gesagt hat man aus allen Ecken schräg angeguckt wurde.

00:28:56: ich glaube daran sieht man schon diese Fragen spielen eine größere Rolle.

00:29:00: am Ende sind wir aber vielleicht noch nicht bei der besten Umsetzung angelangt.

00:29:07: Und ganz konkret würdest du sagen, was könnten Linke heute noch von den Politikern der Panthers mitnehmen?

00:29:15: Ich glaube eine Art von Ernsthaftigkeit die eben heute oft fehlt.

00:29:21: Was aber auch generell auf einer Art ein Problem unserer Zeit ist, die nicht nur die Panthers auch andere Organisationen Bewegungen.

00:29:31: Wenn sie in den Untergrund gehen mussten, konnten Sie immer noch auf sehr für Ihre Kalt in der Bevölkerung zurückgreifen.

00:29:37: Auch von Leuten die das öffentlich niemals äußern würden weil sie vielleicht in Situationen waren wo sich das nicht leisten könnten wenn sie ihren Job verlieren würden oder so.

00:29:45: aber Leute waren jahrelang aktiv und man kannte sie weil sie Zeitungen verteilt haben Weil sie Frühstücksprogramme organisiert haben weil sie Bildung organisiert habe.

00:30:00: gerade wenn Politik heute sehr stark verbunden ist mit sozialen Medien, mit Namen und Gesichtern.

00:30:10: Dann ist es oft so das Sachen die eben nicht fotografisch ansprechend sind, die vielleicht ein bisschen anstrengender sind einfach nicht so attraktiv sind.

00:30:25: für uns Geht's ja aber eigentlich um kollektive Praxis.

00:30:30: Das heißt, es ist vollkommen egal ob unter einem Text mein Name steht oder nichts steht solange der Text existiert und Leute ihn lesen und was daraus für sich mitnehmen können.

00:30:41: Mehr wieder auch in die Unattraktivität kommen quasi!

00:30:45: Von mir aus sind wir am Ende der heutigen Folge angekommen.

00:30:49: außer du möchtest noch irgendwas hinzufügen, Farim?

00:30:53: Ich habe natürlich ungefähr drei mal so viele Notizen gehabt.

00:30:56: Ich vertraue, dass ihr da eine gute Zusammenfassung schafft.

00:31:01: Ja ich fand es auf jeden Fall richtig spannende Folge und sehr spannende Einblicke.

00:31:06: Danke, dass du da warst!

00:31:08: unbedingt bitte Filmsartikel im aktuellen Schwerpunkt lesen und natürlich auch alle anderen Artikel in der Ausgabe.

00:31:14: Und hinterlasst uns wie immer gerne eine Bewertung für den Podcast, empfiehlt uns weiter an Friends, Familie, Genossinnen usw.

00:31:21: Wir hören uns dann beim nächsten Mal!

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